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Kinderrechte - Menschenrechte für Kinder

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren."

 

Was für ein Satz! Welche Bedeutung es für die Menschheit hätte, wenn dieser Satz Wirklichkeit wäre... Man stelle sich vor, Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialsysteme müssten nach dieser Prämisse aufgebaut sein und wirklich jeder Mensch wäre frei und gleich. Doch noch ist dieser Artikel 1 aus der Erklärung der Menschenrechte in vielerlei Hinsicht Utopie. Obwohl die Erklärung schon über 70 Jahre alt ist, gibt es immer noch viele Menschen, denen als Einzelpersonen oder auch strukturell ihre Würde und Rechte nur auf dem Papier zustehen. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass jeder kleine Schritt, der in die Verwirklichung dieses Satzes getan wird ein deutlich größerer Schritt für die Menschheit ist, als die Begehung des Mondes. Und ich bin auch überzeugt davon, dass viele dieser Schritte in Kitas getan werden können. In Kitas, die ihre Arbeit an den Kinderrechten ausrichten.

Die Kinderrechte finden sich in der UN Kinderrechtskonvention von 1989, die seit Juli 2010 auch vollumfänglich in Deutschland gilt. Von April 1992 bis Juli 2010 war sie in Deutschland mit einigen Vorbehalten anerkannt. Sie ergänzt die Erklärung der Menschenrechte und formuliert die besonderen Schutz-, Entwicklungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder aus.


Das Kind als Subjekt - oder: Kinder haben eine Seele

Für mich hört sich der Satz " Wir müssen Kinder als Subjekte betrachten", immer noch viel zu sehr nach deutscher Grammatik an. Subjekt-Objekt-Prädikat - ich weiß nicht wie viele Menschen daran gute Erinnerungen haben, für mich war es immer ein Graus. So klingt es für mich auch fürchterlich nach meiner Deutschlehrerin Frau Dr. Dr. Flick, wenn von Menschen als Subjekten gesprochen wird und es muss diese Grammatikabscheu sein, die mich so lange daran gehindert hat, mal nachzuschauen, was eigentlich hinter "Kind als Subjekt" wirklich steckt. Und nein, es ist kein Satzteil!

Der Begriff kommt aus der Philosophie und bedeutet, dass jemand einen Geist, eine Seele, ein Ich-Bewusstsein hat. Er beschreibt ein denkendes, erkennendes und handelndes Wesen.

Was mich erschüttert, ist die Tatsache, dass wir das offensichtlich immer und immer noch wiederholen müssen, um es zu glauben. Kinder sind denkende, erkennende und handelnde Wesen. WOW! Mich macht es unglaublich traurig, das dies nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist, sondern besonderer Erklärungen, Expertisen und Nachweise Bedarf.

Das ein Kind sich selbst gehört und nicht der Besitz seiner Eltern ist. Das Eltern und Fachkräfte nicht willkürlich über ein Kind bestimmen dürfen, sondern im Hinblick auf das Kindeswohl eine Sorgepflicht haben. Das ein Kind an Entscheidungen, die es selbst betreffen, beteiligt wird. Das alles ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, aber wir können daran mitwirken, dass jedes Kind in seiner Würde wahrgenommen wird!


schützen, fördern, beteiligen

Die Kinderrechte werden von den drei Säulen schützen, fördern und beteiligen getragen. Sie stützen das "Haus der Kinderrechte", das auf vier allgemeinen Prinzipien der Kinderrechtskonvention steht und unter dem Dach des Kindeswohls geschützt ist.

Welche einzelnen Paragraphen sich hinter dem Haus der Kinderrechte verbergen kannst du auf der Seite Kinderrechte(Verlinken!) nachlesen. Hier will ich beschreiben, was das "Haus der Kinderrechte" mit der Arbeit in der Kita zu tun hat. Die drei Säulen, schützen, fördern und beteiligen, stützen das Kindeswohl. Das heißt, nur wenn diese drei Säulen einigermaßen gleich gewichtet sind, ist das Kindeswohl wirklich gewährleistet. Wenn nur eine der drei Säulen über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich schwächer gebaut ist als die anderen beiden, gerät das Kindeswohl ins Wanken. Noch dramatischer ist es, wenn eine Säule viel stärker ist als die anderen beiden. Dann hebt sie das Dach sozusagen an einer Stelle hoch und dadurch gerät es ganz schnell in Schieflage. Das bedeutet, eine sehr starke Rechtesäule kann keinesfalls ein Ausgleich für zwei schwache Säulen sein. Im Gegenteil, sie wird das Dach sogar schneller ins Wanken bringen je mehr sie sich über die anderen beiden erhebt.

Was kannst du mit diesem Wissen um die drei Säulen der Kinderrechte in der Kita anfangen? Für die Kitaarbeit bedeutet es, sich erst einmal bewusst zu machen, welche Rechte eigentlich zu welcher Säule gehören und gemeinsam im Team zu reflektieren welche Aspekte des Kitaalltags von welchen Rechten betroffen sind.

  • Was kann eindeutig zugeordnet werden?
  • Wo gibt es Überschneidungen zwischen den Rechten?
  • Wo gehen die Meinungen im Team auseinander?

Allein diese beiden Schritte sind schon eine große Aufgabe und werden einiges im Team aufrütteln. Denn nun schließen sich auch schnell Überlegungen an wie

  • Wo missachten wir vielleicht die Kinderrechte?
  • Warum hat diese Säule bei uns so viel / so wenig Gewicht?
  • Wie gehen wir damit um, dass wir einiges so unterschiedlich sehen?
  • Wie machen wir jetzt weiter?

Ich wünsche allen Teams in Kindertageseinrichtungen den Mut sich mit diesen elementaren Fragen auseinanderzusetzen und den ersten Schritt in Richtung Kinderrechte-Kita zu gehen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Ute Buchalik (Donnerstag, 09 Juli 2020 15:43)

    Hallo Hanna,
    Ich kann nur sagen "Großartig
    Ich habe den Beitrag von Alex erhalten, ich kann dir nur hierzu gratulieren.
    Liebe Grüße von Ute aus Budenheim ����

Die Seite Kinderrechte in der Kita beschäftigt sich mit vielen Themen rund um die Kinderrechte. Ich freue mich, wenn sie dich inspiriert, zum Denken anregt, Fragen aufwirft und dabei auch noch Spaß macht!

Gibt es etwas spezielles, was dich interessiert? Dann maile mir gerne, denn ich schreibe am liebsten über Dinge, die dich interessieren :)

 

info@kinderrechte-in-der-kita.de


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